Patty gärtnert auch wieder

– diesmal auch von Anfang an.

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Patty mit ihrem neuen Gewächshaus

 

 

Auch Luise von Duckhome hat ihre Meinung dazu:

Es gärtnert in der Stadt

Gestern habe ich es geschafft, mir bei der Balkon-Garten-Arbeit einen ganz kleinen Hexenschuss einzuhandeln. Naja, wird schon wieder weggehen. Die alte Erde musste aus den Kästen raus, neue rein, und ich musste gründlich putzen und pflegen. Noch ein paar Frühlingsblüher pflanzen – und schon kann ich wieder anfangen, auf meinem Balkon zu wohnen, was ich dann den ganzen Sommer über tun werde. Ich Glückliche.

Ist aber heute alles gar nicht so unkompliziert. Denn das Gärtnern ist wieder ganz stark in Mode gekommen. Heute freut man sich nicht einfach an seinem Balkon oder an seinem Schrebergarten. Nee, nee – so läuft das nicht. Heute macht man Urban Gardening zum Beispiel. Das müsste dann ich sein, denke ich mir. Gärtnern in der Stadt.
Aber mal ganz langsam. Schon mal was von Community Gardens gehört? Oder vom Guerilla Gardening? Von wegen Schrebergarten …
Ich war genau genommen schon alles. Aber von Anfang an. Gleich nach der Wende haben wir damals eine kleine Datsche im Berliner Speckgürtel gepachtet. Das war ein Flop. Hauptsächlich deswegen, weil wir Westler uns wie Falschgeld fühlten da draußen unter all den Ossis. Das war, bevor die Berliner in Scharen „aufs Land“ zogen. Man könnte auch sagen: das Berliner Umland okkupierten. Unser Unternehmen Datsche wurde bald beendet.
Dann kam eine Hofbegrünung. Wir bepflanzten zu viert unseren Hof, stellten ein paar Sitzmöbel auf, bauten einen Sandkasten für die Kinder und los gings. Mit Gummiplanschbad und Grill wurde das Ensemble nach Bedarf erweitert, so dass der Ort schließlich ein sehr geselliger Begegnungsort für Groß und Klein wurde. Das endete als unser Haus verkauft wurde und horrende Mieterhöhungen unsere Gemeinschaft auseinandertrieb, sprich zum Umziehen zwang. Heute stehen in diesem Hof wieder die Mülleimer und wahrscheinlich die teuren Fahrräder der neuen Mieter, die sich die teuren Mieten leisten können.
Meine Pflanzen habe ich natürlich alle mitgenommen und verteilt. Die Lilien wachsen heute im Hof des alten Schülerladens, mein Tränendes Herz ist unten im Hof meines jetzigen Wohnhauses, einige andere versetzte ich in den Garten meiner Mutter und den Rest verschenkte ich im Freundeskreis. So habe ich mein begärtnertes Terrain ausgeweitet.
Mein schwierigstes „Feld“ ist die Baumscheibe die ich pflege. Vor zwölf Jahren habe ich sie erst mal entrümpelt und vom Dreck befreit. Dann haben ein paar Nachbarn und ich einen kleinen Zaun gebaut. So sah er auch aus – ein wenig krumm und schief, naja. Inzwischen wachsen hier meine Rosen, im Frühjahr die wilden Veilchen, Grünpflanzen aller Art und seit voriges Jahr stattliche Stockrosen, die eine Nachbarin gesetzt hat. Täglich, ich wiederhole täglich!, kämpfe ich gegen Hundekacke, Vandalismus, Müll und seit einiger Zeit gegen den nächtlichen Partydreck, in Form von Pizzaschachteln, Dosen, sonstigen Unrat und Zigarettenkippen. Letztere sind seit dem Rauchverbot in den Kneipen eine wahre Plage geworden. Ich fühle mich als Heldin, ihr könnt es mir glauben.
Und wo reihe ich mich nun ein in der Riege der neuen GärtnerInnen? Wenn es sein muß, dann wohl am ehesten in die Reihe der Pioniere des städtischen Pflanzens. So gesehen hat unsereins ein tolle Bewegung angeschoben. Natürlich bin ich ein klein wenig sauer darauf, dass unsere NachfolgerInnen mit ihren plakativen Namen wie „Urban Gardening“ und „Community Garden“ jetzt überall groß rauskommen, während wir damals noch eher wie Komiker angesehen wurden. Da sind die unerschrockenen Pflanzer, die sich draußen vor den Toren irgendwo eine Scholle gepachtet haben, um eigenes Gemüse anzubauen schon wieder bewundernswert für ihren einsamen Durchhaltewillen.
Aber gleichzeitig besuche ich gerne all diese Orte und schaue, wie es wächst – oder auch mal nicht! Unsereins hat natürlich im Laufe der Jahre die Höhen und Tiefen des Gärtnerns längst durchschritten. Die nassen Jahre erlebt, die trockenen, die Missernten, die Schädlinge von den Nützlingen unterscheiden gelernt, die Tomaten die nicht schmeckten weil man schlicht eine blöde Sorte erwischt hatte. Auch die „Schäden“, die entstanden während man in Urlaub war. Oh je oh je. Und von der ungewohnten Arbeit die Hornhaut an den Händen, hie und da eine fette Blase, oder mal einen kleinen Bandscheibenvorfall zur Abwechslung – durch all diese Erfahrungen müssen die Neugärtner jetzt tapfer hindurch. Ganz wie im richtigen Leben.
Am schönsten finde ich die Community Gärten, also Gemeinschaftsgärten, wie die Prinzessinnengärten hier in Kreuzberg. Hier vereint sich einiges, was ich angenehm und sinnvoll finde: 1. die Lust auf Gärtnern, und zwar 2. mitten in der Stadt, so dass ich keinen nennenswerten Anfahrtsweg habe und das ganze 3. in Gemeinschaft, nicht wie im Einfamilienhaus, wo ich alleine in meinem Garten sitze, was mir auf Dauer einfach zu stupide wäre.
Aber – alle sollen auf ihre facon glücklich werden. Kartoffeln, Radieschen und Hornveilchen sei Dank

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Pflegereform nennt man das also

Da hat Luise auf “Duckhome” mal wieder mit Volkes Wort gesprochen:

Im Zusammenhang mit den Milliardenüberschüssen der gesetzlichen Krankenversicherung wird man ganz nebenbei mal wieder ein bisschen über eine neue „Reform“ informiert.

„Ein kleines Zugeständnis an die FDP soll es allerdings trotzdem geben. So soll Gesundheitsminister Bahr mehrere hundert Millionen Euro für seine Pflegereform bekommen. Damit soll der Abschluss privater Pflegezusatzversicherungen durch direkte Zulagen gefördert werden.“ (Spiegel.online)
Das meinte ich kürzlich, als ich erwähnte, dass der Markt mit sogenannten „Finanzprodukten“ überschwemmt wird, die entweder direkt ältere Menschen als Kunden fokussieren oder auf Leistungen, die im Alter erbracht werden. Private Pflegeversicherungen punkten in beiden Aspekten. Als Einmalbeitragszahlung kommen nämlich auch ältere Absch(l)uß-Kandidat_innen in Betracht. Natürlich nur wenn sie Geld haben. Ansonsten braucht man ja eher jüngere Kund_innen, die kleinere monatliche Beiträge zahlen bei langen Laufzeiten.
Gesundheitsminister Bahr von der FDP denkt dabei auch an die Geringverdiener, wie es heißt:
„Schäuble wollte bisher nur Steuervorteile gewähren, weil das für den Bund billiger ist. Davon hätten aber nur Gutverdiener profitiert. Bahr will jedoch mit den Zulagen vor allem Geringverdiener von einer privaten Vorsorge für den Pflegefall überzeugen.“ (auch Spiegel.online)
Na dann haben wir also auch die Armen im Boot. Sie können mit Riester für das gesunde Alter vorsorgen und mit der Pflegeversicherung für das kranke Alter. Theoretisch. Fragt sich nur, wovon sie die beiden Versicherungen – praktisch – zahlen sollen. Und selbst wenn sie die Mindestbeiträge aufbringen, bleibt die Frage, was sie mit den Leistungen, die sie dadurch ansparen, später anfangen sollen: zum Leben reicht’s jedenfalls nicht.
Was für eine verlogene Kacke.
Was für eine verlogene Politikerbande.
Noch mal kurz zur Sachlichkeit zurück. Die Pflegeversicherung ist natürlich genauso wie jede andere private Versicherung knallhart kalkuliert. Wer viel zahlt, kriegt später viel raus. Das ist wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung: wer eine hohe Leistung abschließt, der zahlt viel Beitrag. Am liebsten haben die Versicherer übrigens viele Beitragszahler, die eher kleinere Rentenzahlungen vereinbaren. Wer nur 500 Euro BU-Rente abgeschlossen hat, kann davon nicht leben und wird im Zweifelsfall also weiterarbeiten bis zum Umfallen. So hat die Versicherung die brav bezahlten Prämien einkassiert um später nicht blechen zu müssen.
Die Pflegebedürftigkeit ist ein ähnlicher Fall wie die Berufsunfähigkeit. Bloß dass der oder die Pflegebedürftige in der Regel noch hilfloser ausgeliefert ist. Dieser Situation setzt die „Pflegereform“ durch Private Zusatzversicherungen noch eins drauf: wer Geld hat und vorsorgen konnte, darf mit einer guten Pflegeleistung rechnen. Wer kein Geld hat und nicht vorsorgen konnte, wird auf niedrigstem Niveau dahinvegetieren müssen. Einen Spielraum gibt es nicht mehr. (Noch ein wenig dazuverdienen, wieder gesund werden und ähnliches.) Machen wir uns nichts vor.
Und selbst wenn Menschen Anrecht auf Leistungen aus den (Privaten) Pflegeversicherungen haben werden: wer kontrolliert, ob ihnen diese Leistungen wirklich zugute kommen oder ob sie nicht vielmehr größtenteils von den (Privaten) Pflegedienstleistern geschluckt werden. Soviel noch zu Thema Ausgeliefertsein.
Die Pflege alter Menschen bedarf a) Menschen, die sich damit befassen und bereit sind, sich dieser Arbeit zu widmen. Das ist auch eine Frage der Kultur, und zwar umso dringlicher je mehr wir dem Prozess der Entsolidarisierung tatenlos zusehen. Und sie bedarf b) Geld. Pflege kostet Geld, und es ist selbstverständlich richtig, dass wir Mittel und Wege suchen, um dieses bereitzustellen. Aber nicht für die privilegierte Hälfte, sondern für alle. Unter staatlichem Schutz!
Wir werden alle am Ende unseres Lebens in dieser Situation sein: wir werden alle auf Fürsorge durch andere Menschen angewiesen sein.
Und was will die FDP? Und wozu gibt Schäuble seine Zustimmung? Zu neuer Geschäftsmacherei für die Versicherer („Finanzoptimierer“) einerseits und die Pflegedienstleister (die „Finanzverwerter“ quasi) andererseits.
Sie haben aus Deutschland ein scheiß Land gemacht. Schämt euch.
Nee, da hilft uns auch keine Stiftung Warentest mit ihrem Finanz-TÜV. Sowas verfolgt nur systemimmanente Optimierungszwecke. (Der „Finanzoptimierer“ Maschmeyer, lässt mich gar nicht mehr los … ) Besser, die Leute greifen zu alten Schuhen und neuerdings zu Vuvuzelas. So kriegt die ganze Chose wieder ein Stück Wahrhaftigkeit zugeführt. Die Wahrhaftigkeit der Wutbürger nämlich.