Eine hohe Mauer quer durch Deutschland

Der Kuchen ist verteilt und eine unüberwindliche Mauer trennt die einen von den anderen. Wieder mal nennt uns ein Armutsbericht die Fakten.

50 Prozent der Deutschen besitzen nichts. Sie verfügen laut Armutsbericht über 1 Prozent des Nettovermögens in Deutschland.
Die oberen 10 Prozent besitzen dagegen 50 Prozent des Nettovermögens, und zwar des offiziellen, wohlgemerkt. Die „Auslandsvermögen“ müsste man noch dazuzählen.
Die restlichen 40 Prozent müssen sich bescheiden und sich die verbleibenden 49 Prozent aufteilen und damit zurechtkommen. Besser als nichts. Für eine Riesterrente und eine Pflegezusatzversicherung wird es wohl reichen. Und für das Gymnasium der Kinder, inkl. Auslandsjahr. Und um der Oma ihr Häuschen zu erhalten vielleicht auch.
Die unteren 50 Prozent werden niemals zu mehr kommen. Und das nenne ich mal eine wirklich unüberwindliche Mauer quer durch Deutschland! Denn zusätzlich zu ihrem Nichtshaben sinken auch noch ihre Löhne kontinuierlich. Sie könnten also weder fürs Alter vorsorgen, noch was ansparen, noch Kredite aufnehmen, noch ihre Kinder großzügig ausstatten. Für ihre Alten bleibt auch nichts. Es reicht gerade immer fürs Nötigste. Sie werden sich niemals verbessern können.
Wenn diejenigen, die noch was haben, ihren Wohlstand genießen wollen, dürfen sie halt nicht so oft über die Mauer schauen, wo die arme Hälfte hockt. Das könnte sie ja deprimieren oder sogar verängstigen. Stattdessen sollten sie still jeden Tag hoffen und beten, dass die abgehängten und verarmten Verwandten ihre Lethargie kultivieren. Da braucht man festen Glauben, dass die nie auf die Idee kommen, mal „tatkräftig“ was abhaben zu wollen!
Aber es bleibt noch ein unangenehmes Problem. Und zwar, dass die Verarmung der Hälfte der Bevölkerung verdammt teuer kommt. Nicht nur dem Staat und seinen Einrichtungen, sondern auch den Beitragszahlern der Kranken- und sonstigen staatlichen Versicherungssystemen. Wohl oder übel fließt da viel vom Brutto der 40 Prozent ab, oder? Ja, das haben sich die oberen 10 Prozent schön eingerichtet.
Und deshalb sage ich, im Sinne der 90 Prozent: die Mauer muss weg! Wohlstand für alle und der Laden entspannt sich wieder. Peace!

Mit diesen Worten hat Luise (duckhome.de) mal wieder wie üblich Recht!

HUNGERN STATT ANTRAG AUF GRUNDSICHERUNG

Altersarmut: Mehrheit der Anspruchsberechtigten Rentner stellt keinen Antrag auf Grundsicherung

Laut einer Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung scheuen viele ältere Menschen im Rentenalter den Gang zum Sozialamt, obwohl sie einen Anspruch „Grundsicherung im Alter“ hätten. Zwar fehlen genaue Daten, die Armutsforscher gehen allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer heute sehr hoch ist. Bereits in den 90er Jahren lag laut einer damals durchgeführten Studie die Nicht-Beantragungsrate in etwa so hoch, wie der Personenkreis, der Sozialhilfe beantragte. Demnach kam auf einen Sozialhilfe-Empfänger ein Anspruchsberechtigter, der keine zustehende Sozialleistungen beantragte.
Hohe Dunkelziffer der Altersarmut
Seit dem Jahre 2003 soll die „Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung“ ein Abgleiten in die Armut verhindern. Weil der Gesetzgeber von einer hohen Dunkelziffer ausging, sollte die staatliche Rentenversicherung bei zu niedrigen Rentenansprüchen auf einen Anspruch auf Grundsicherung per Brief aufmerksam machen. Doch laut der Untersuchung der Stiftung scheint diese Praxis offenbar nicht zu funktionieren. Nach Angaben des Berichts haben im Jahre 2007 von den etwa eine Million Anspruchsberechtigten ab dem 65 Jahre gerade einmal 340.000 Menschen einen Antrag auf Grundsicherung gestellt. Dabei bezieht sich die Hans-Böckler-Stiftung auf Erhebungen des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) sowie Auswertungen der Verteilungsforscherin Irene Becker. Somit lag schon zum damaligen Zeitpunkt die Dunkelziffer der akuten Altersarmut bei 68 Prozent.
Nach Ansicht der Autoren „verfehle der Gesetzgeber damit sein Ziel“. Es fallen nämlich nicht nur Menschen ohne Rentenansprüche unter das Existenzminimum. Bezieht ein Rentner „Grundsicherung im Alter“, verfüge dieser über ein durchschnittliches Einkommen von etwa 549 Euro brutto im Monat. Senioren mit Grundsicherungsanspruch, die jedoch keinen Antrag stellten, haben etwa 610 Euro im Monat zur Verfügung. Laut der Hans-Böckler-Stiftung entspreche dies 44 Prozent beziehungsweise 49 Prozent des Ruhegeldes, das nicht anspruchsberechtigte Ruheständler hierzulande durchschnittlich erhalten.
Komplizierte Antragstellung und Zwangsumzüge
Das Einkommen der betroffenen Rentner reicht laut des Panels noch nicht einmal aus, um jeden zweiten Tag eine warme Mahlzeit mit Fleisch, Fisch oder Geflügel zu essen. Laut der Studie konnten etwa acht Prozent der Senioren sich eine regelmäßige warme Mahlzeit finanziell nicht leisten. Von den Nicht-Anspruchsberechtigten waren es lediglich 0,6 Prozent.
Die Forscherin Irene Becker fordert aus diesem Grund umgehende Reformen seitens des Gesetzgebers. So sollten Anspruchsberechtigte bei der zum Teil komplizierten Antragstellung Hilfestellungen erhalten und die sehr strenge Auslegung der Vermögensanrechnung sollte gelockert werden, so Becker.
Ein weiteres Problem stellt die Auslegung der angemessenen Wohnung dar. Becker vermutet, dass viele Rentner keinen Grundsicherungsantrag stellen, weil sie fürchten, sonst in eine andere Wohnung umziehen zu müssen. Ein derartiger Umzug ist für ein Großteil der Senioren mit zahlreichen Problemen behaftet. Ein Umzug ist oft mit dem Verlust sozialer Kontakte verbunden und obendrein psychisch und physisch belastend.

Text und Link von: gegen-hartz.de